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Ideale sind nur Denknotwendigkeiten, um die Welt realistisch zu sehen.
Bazon Brock

Bazon Brock zu Gast in der Mendelssohn-Remise

13. November 2008

Einladung zur Feier des Atatürk-Tags am 24. November 2008 um 19.00 Uhr in der Mendelssohn-Remise

Musealisierung als Strategie zur Zivilisierung von Kulturen

Mit Bazon Brock, Achim Preiß, Manfred Schlapp und Najem Wali
samt Präsentation des Buches „Musealisiert Euch! Lustmarsch durchs Theoriegelände der schweren Ent-deutschung“

Veranstalter: Labor für Universalpoesie und Prognostik
Ort: Mendelssohn-Remise, Jägerstraße 51 (zwischen Gendarmenmarkt und U-Bahnhof Hausvogteiplatz), 10117 Berlin
Eintritt: 12 € / Studenten 6 €
mit kleinem Empfang
Anmeldung erbeten: per Fax Nr. 030/80 90 62 02,
per e-mail: herbert.w.kapitzki@t-online.de

Am 24.11.1934 hat Staatspräsident Atatürk mit einem genialen Dekret bestimmt, dass die Große Moschee von Istanbul, die ehemalige Hagia Sophia der oströmischen Hauptstadt, weder den Christen als Kultbau zurückgegeben werden solle noch den Moslems als Kultstätte überlassen bleiben dürfe; denn seit 1453 hatten die Moslems nach der Eroberung Konstantinopels die Hagia Sophia für ihren Kult vereinnahmt. Atatürk zu Folge sollte dieser Bau als bewunderungswürdiges Zeugnis der menschlichen Schöpferkraft in ein Museum umgewandelt wer-den, in welchem alle Parteien lernen könnten wertzuschätzen, was die jeweils anderen Kulturen hervorgebracht haben. Denn die Museologie hat durch die Erkenntnisse und Erfahrungen der Archäologen und Kulturwissenschaftler Wege bereitet, gerade im Museum besser als in jedem anderen Kontext die Errungen-schaften aller Kulturen und Religionen, aller Wissenschaften und Künste kennen und lieben zu lernen. Die Museen sind wie die Universitäten, Archive und die internationalen Organisatio-nen Schulen der Zivilisierung. Sie vertreten universelle, die ganze Menschheit betreffende Gesichtspunkte gegenüber den regionalen Kulturen und Religionen, die, wie Umma und Katho-likos, nur die Einheit der Gläubigen meinen, nicht aber die Ein-heit der Menschheit repräsentieren.

“Das neue Buch von Bazon Brock” erscheint am 29.10.2008 im Buchhandel

17. Oktober 2008

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Gestaltung: botschaft prof. gertrud nolte

Das Buch ist mit einem Plakat-Umschlag in den Massen 58cm * 79cm eingeschlagen.

GROßANKÜNDIGUNG:
Der Starke Konsument. Ein Projekt von Stephanie Senge zu Konsum und Konsumkultur

23. Mai 2008

Der starke Konsument 31.05. / 1.6.
Bazon Brock demonstriert, wie man Schopenhauers Pudel die Versöhnung von Leninismus-Maoismus mit der Midas-Erfahrung erklärt (siehe Text „Asketen des Luxus“ von Bazon Brock, Download s.u.).
Rechter Bildrand: Verweis auf Lacans “Lamellen- Theorem”, eine Umformung der Mammellen der ausgezehrten Mutter; da schwache Brüste der Weisheit flach wie ein Omelett auf dem Oberkörper liegen, verwandelt der begehrende Zugriff des Subjekts die Omeletten in Homoletten, siehe “transzendentale Vereierung” nach dem Muster der Schnabeltiere als Eier legende Säugetiere, die sensorisch hoch empfindlich im Bodensatz der Schöpfung gründeln.

“Der Starke Konsument. Ein Projekt von Stephanie Senge zu Konsum und Konsumkultur” von 31.05-01.06.08 im ZKM Karlsruhe zu sehen.

  • 31.05.08, “Asketen des Luxus – Konvent der goldenen Eßstäbchen”, Vortrags-Performance von Bazon Brock, Marktplatz in Karlsruhe um 16.30Uhr
  • 01.06.08, ZKM eine Vortag zum selbigen Thema ab 15.00 Uhr.

DOWNLOAD:
Asketen des Luxus –Gründung eines Konvents der goldenen Eßstäbchen in der Rathausgalerie München

18. Oktober 2007

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Was ist geschehen, was haben wir vor?

10. April 2007
Am 18. Januar hielt Bazon Brock die Rede zur Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille an Udo Lindenberg im Stadttheater Mainz. Unter dem Titel „Wovon man nicht reden kann, davon muss man singen“ zeichnete Bazon Brock die Entwicklung des homo panicus nach.Am 19. Januar redete Bazon Brock an der Kölner International School of Design zum Thema „Gesellschaftliche Konflikte – Privatisierung des Öffentlichen“.Am 7. Februar sprach Bazon Brock im Rahmen einer Vorlesungsreihe zum Thema „Was heißt abstrakt?“ an der Universität Wuppertal.Am 1. März NRW-Forum Düsseldorf entwickelte Bazon Brock eine „Kleine Kulturgeschichte der Kopfbedeckung“ im Rahmen einer Veranstaltung der WALL-AG.

Am 30. März trat Bazon Brock unter dem Titel „Musealisierung als Zivilisationsstrategie“ um 19.30 Uhr zu einem Vortrag im ZKM Karlsruhe an.

Am 10. April spricht Bazon Brock um 18.00 Uhr zum Thema: „Künstler ohne Werk. Selbstaufklärung der Künstler als Gottimitatoren. Rekonstruktion und Darstellung der Künstlerattitüde in der Moderne. Werktätigkeit statt Kreativitätspathetik“ an der HBK Braunschweig.

Am Montag, den 16. April, wird Bazon Brock im Fachbereich F der Uni Wuppertal zu einer Vorlesung einladen: „Fininvest: Werbung für den Weltuntergang. Eine Kampagne für Kommunikationsdesigner“ ist der Titel der Veranstaltung, die um 10.15 Uhr beginnt.

Am Mittwoch, den 18. April, hält Bazon Brock im Hamburger Hotel „Vier Jahreszeiten“ einen Vortrag anlässlich der Preisvergabe der Guntram und Irene Rinke Stiftung: „Die Zukunft ist wahrscheinlich“ lautet der Titel des Vortrags, Beginn ist um 17.00 Uhr.

Am Freitag den 20. April hält Bazon Brock eine Rede, die der Eröffnung der Tease-Art-Fair gilt: „Kuckuck – you have just been teased. Der Künstler als Krull“.

Zum Glück auf Erden

31. Dezember 2006

Nicht nur dass in der wunderbaren Residenz zu Würzburg das ungeheure Deckenfresko Tiepolos aufs Neue zu bestaunen ist nach fünf Jahren Restaurierungssarbeiten, auch ist in der Antikensammlung bis 18. Februar 2007 noch eine empfehlenswerte Ausstellung zu sehen: „Die Etrusker. Jenseitsvorstellungen und Ahnenkult“. Neben Waffen, Gefäßen und Schmuck sind auch Aschenurnen und Steinplastiken zu sehen, die das etruskische Lächeln zeigen, von dem wir seit Beginn des „Lustmarsches durchs Theoriegelände“ sprachen, um das zu demonstrieren, was Ergebenheit in das verheißt, was ohnehin zu affirmieren ist: das Einverständnis in die Bedingungen der eigenen Endlichkeit.

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Schaut man sich diese Figuren an, ahnt man, was wir ohne (kulturelles) Gedächtnis sind:

„Ein Zeichen sind wir, deutungslos,
Schmerzlos sind wir und haben fast
Die Sprache in der Fremde verloren.“

(Hölderlin, Mnemosyne, Zweite Fassung)

Noch andere Aspekte kommen in der Sammlung zur Sprache, die uns auf dem Lustmarsch begegneten. Die Archäologen präsentieren im Martin-Wagner-Museum auch Ausschnitte der Wandmalerei aus der Tomba degli Auguri. Links neben dem Kopf des Maskierten steht leicht unleserlich sein Name in etruskischen Schriftzeichen: „Phersu“. Sein Opfer trägt einen Sack über dem Kopf. Blind für das, was eigentlich mit ihm geschieht, wird dem Opfer derjenige Zwang angetan, den moderne Subjektivität verherrlicht: Man habe eine Rolle in der Welt zu spielen!

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Anschluss findet man in Bazon Brocks „Ästhetik gegen erzwungene Unmittelbarkeit“, wo Phersu als derjenige Gott angesprochen wird, „der jedem denselben Namen gab: Person“ (Vgl. S. 388 f.). An angegebener Stelle findet man im Ausgang von etruskischen Darstellungen eine ganze Reihe von Persönlichkeitstheorien, die von den maskenartigen Zügen unserer Persönlichkeit handeln. Die Rolle, die wir im Wechselspiel mit unserer Umwelt einnehmen, ist das, was Theodor W. Adorno nicht ohne Grund den „Verstrickungszusammenhang“ genannt hat (Vgl. hierzu: die Neujahrsansprache der Kanzlerin, die Reformwillen bekundet („Wieso –, will sie ihren Platz räumen?), der für uns als neuer Rollenzwang erscheint: „Gebe deine Ansprüche auf soziale Sicherung zu Gunsten eines potentiellen Arbeitsplatzes preis!“ – Ach, würde sie doch zumindest eine Maske tragen und nicht dieses aufgesetzte Lächeln, das dem Zuschauer die Beschneidung seiner Chancen auf Absicherung schmackhaft machen soll.) Sind wir schon einmal bei diesem Thema, so schaue man sich zeitig im Residenzgarten die wohlproportionierten Buchsbäume an: Sie werden von den Gärtnern in Kugel- oder Pyramidengestalt gehalten. Sie sind das lesbare Zeichen dessen, was demokratischer Absolutismus für das Wahlvolk heute heißt: Gebe Dich klar und deutlich für Andere zu erkennen! Mache den Bock zum Gärtner und spiele eine dämonisch umrissene Rolle, als was auch immer, ob als Kugel oder Quadrat! Achte auf die Geister, die an Deinem Stamm nisten; es sind Pans-Gestalten, die im Schatten der Bäume lauern, um in der Mittagszeit eine Touristengruppe in kurzweiliges Entsetzen zu versetzen.

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In und um die Residenz wuchern die Analogien zu unserem „Lustmarsch“. Ein Spaziergang durch den herrlichen Residenzgarten belehrt uns über die fürstbischöfliche Zeichengebung. Auch hier hat ein Baumeister in einem Parcoursgelände sein Weltbild ausgestellt, anrüchiger als man es im Garten eines Geistlichen vermuten dürfte. Putzig die Putti Peter Wagners, die schelmisch auf Balustraden und Podesten in die Landschaft grinsen und mit allerlei Rollen kokettieren. Ob als die Schalmei blasender Schäfer oder als spielerisches Liebespaar, sie geben Anlass zu schicklichen Unterhaltungen! Solchermaßen erfrischt, steige man wieder empor in die Antikensammlung und vergleiche: Ist nicht die Nachbildung der Hauptkammer der Tomba François (Vulci) mit einzigartigen Wandmalereien versehen! Ist nicht die dargestellte Gewaltszenerie in Analogie zu den Bedeutungen unseres Thomas-Mann-Zimmers auf dem „Lustmarsch“ lesbar? Haben nicht auch wir mit den Gräbern, mit den Jenseits- und Wiederauferstehungsvorstellungen gearbeitet, um darzustellen, wie, trotz aller Brüche, eine unglaubliche Kontinuität der Imaginationswelten den Menschen seit Jahrtausenden in Beschlag nimmt? Dem Menschen die Grenzen seiner Macht und seiner Willkür aufzuzeigen, war eine Bestimmung unseres Unterfangens. Die anderen Themenbereiche könnt ihr bald nachlesen, wenn es uns gelungen ist, ein schriftliches Zeugnis unserer action teachings vorzulegen. Ein Grund, um sich auf 2007 zu freuen, und ein weiterer: Wir werden wieder auf Tour gehen, diesmal unter dem Titel „Passion Europa. In defense of humanism.“

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Zuvor aber noch herzlichen Dank für die gewährte Unterstützung! Wir möchten allen Menschen danken, die uns dieses Jahr begleiteten! Merci vielmals für die empfänglichen und treuen Seelen, die es uns ermöglichten, eine denkwürdige Rolle zu spielen! Und um zu wissen, was die Zukunft verheißt, schauten die Etrusker in die Leber – Prost Neujahr!

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Bis auf ein Wiedersehen grüßen Euch ganz herzlich und sagen

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Ahoi

Bazon Brock und © Christian Bauer

Zivilisierte Räume: Er-Öffnungen zwischen dem
Politischen und dem Ästhetischen.

25. November 2006

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Am 24. November ehrten wir den großen Zivilisationsheroen Mustafa Kemal Atatürk („Vater der Türken“). Gazi Mustafa darf erwähnt sein, war er doch einer der wenigen Politiker im 20. Jahrhundert, der mit der Einführung des laizistischen Konzepts in der Türkei das Signal gab für eine der bedeutsamsten Strategien zur Bewältigung der nicht endenden Kulturkämpfe: die Musealisierung. Er entschärfte als republikanischer Reformer einen Brennpunkt zwischen dem muslimisch geprägten Orient und dem christlich angehauchten Okzident, indem er das seit 1453 zum muslimischen Gotteshaus transformierte Gebäude der Hagia Sophia eine neue Bestimmung zuwies. Dieses Baukunstwerk spielt(e) eine Schlüsselrolle im Verhältnis zwischen dem Christentum und dem Islam. Die Hagia Sophia in Istanbul war die Hauptkirche der orthodoxen Welt. Nach der türkischen Eroberung der Stadt wurde sie 1453 in eine Moschee umgewandelt. Atatürk war es, der die „Heilige Weisheit“ 1935 in ein Museum verwandelte. Als Papst Paul VI.1967 in der Hagia Sophia auf die Knie fiel, um zu beten, empörte er nicht nur viele türkische Muslime, denn sie sahen in dieser demonstrativen Geste die Erneuerung des christlichen Anspruchs auf die „Aya Sofia“. Auch Sultan Mehmet II. warf sich nach der Eroberung Konstantinopels 1453 in der Hagia Sophia zu Boden, um Allah anzurufen, wodurch aus der Kathedrale der Christenheit eine Moschee wurde. Aber es darf ein für alle Mal gesagt werden: Im Museum ist beten verboten!

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Wir sollten uns an Atatürk halten und die politische Säkularisierung weiter voran treiben und dabei nicht die Bedeutung des Militärs außer acht lassen. Die türkische Armeeführung macht es heutzutage vor, denn sie garantiert in letzter Konsequenz die Geltung der Blüte Demokratie. Das ganze Jahr über spähte ich in fremde Gärten, spitzte um Ecken in fremden Städten, nicht ohne zwischen den Zeilen von dem Begehren zu berichten, dass mir nicht fremd ist, in der Fremde in eine unbekannte Wohnung, und damit in eine unversehenes Weltmodell Einlass zu finden. Schmiegte mich in den Netzestädten von Wohnstatt zu Wohnstatt, obschon die Aufenthaltsorte nur noch Orte von begrenzter Verweildauer waren.

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Der aus dem Koffer lebte, suchte zwischen den Klappentexten einen stilistischen Flecken zum Ausrasten:
„Auf solchen Wegen gibt es kein größeres Verlangen, als in eine fremde Wohnung einzutreten. Von einem mich erwartenden Menschen begrüßt, empfangen, hineingebeten zu werden, das Zuhause dieses gestandenen Unbekannten mit verstohlener Neugier zu mustern. Denn nie ist das Zuhause eines fremden Menschen einladend für uns, nie gefällt es auf den ersten Blick. Es befremdet weit mehr als der Fremde selbst. Das Ambiente, das er sich schuf, und was er da an Dingen und Kleinigkeiten bevorzugt, der persönliche Geschmack, wie verräterisch ist das alles! Man wagt gar nicht genauer hinzusehen, denn sein Zuhause verrät ja alles auf einmal, was man an dem Menschen erst Zug um Zug entdecken würde. Ganz anders als seine Kleidung, seine zweite Haut, sie gefällt ja oft auf Anhieb, oder gefällt nicht, aber sein Wohnen, die dritte Haut, befremdet immer.“
(Botho Strauß: Untenstehender auf Zehenspitzen, S.99 / 100)

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Schaffen wir uns den nicht einen Zugang zur Innenwelt des Gastgebers, wenn wir uns für Momente oder Stunden hineinversetzen, wie es sich wohl zugetragen haben könnte, dass eben jene Gegenstände zur Beute und zum Schmuck ihm wurden? Sicherlich formuliert Botho Strauß reichlich apodiktisch und nimmt von der Möglichkeit der Erkenntnis des anderen Menschen den anheimelnden Reiz des dennoch Vertrauten hinweg. Er hat sich wohl verstrickt in den Netzen zwischen den Netzen, die sich unter seiner Schädeldecke in der Gestalt des Neokortex zusammenziehen. Durchfahren von den Zuckungen des Lebendigen und Nekrotischen, erkennen wir uns selbst gerade im Befremdlichen.

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Mit dem (weh-)mutigen Gefühl des allmählichen Ausklangs unserer Tournee grüße ich Euch

Ahoi

© Christian Bauer

Grabbeigaben

22. November 2006

Tontäfelchen als Grabbeigaben für Bazon Brock’s Salzstollenprojekt.

[mygal=tontaefelchen]

presse | Der Kunstbetrieb als Problemzone

21. November 2006

HAJO SCHIFF / MARKUS WOELLER
Fast schon ein Nationalkünstler: Seit den 60er-Jahren hat Hans Haacke sich Umweltprozessen gewidmet, die Rolle der Museen hinterfragt - und sich mit Politikern und Sammlern angelegt. Jetzt wird er mit Ausstellungen in Hamburg und Berlin gefeiert

21.11.2006 taz Kultur 183 Zeilen, S.15

Sagt Bazon Brock die Wahrheit?
Ein Zwiegespräch mit Jacques Derrida, Teil 12

20. November 2006

Im früheren Abend, Anlanden mit Schiffskurs 210

Die “Stadt Zürich”, so hiess der Raddampfer, glitt vibrierend durch die fast glatte Oberfläche des Zürcher Seebeckens, die Räder spiehen Gischt und die Sonne schickte sich an, langsam hinter dem Horizont ferner Hügel zu verschwinden. Jacques Derrida und ich sassen immer noch im Schiffsheck. Nach längerem Schweigen und Geniessen des Fahrtwindes wandte ich mich wieder an meinen Begleiter:

Bazon Brock betrachtet das Konzept der Autorenschaft als eine zutiefst europäische Errungenschaft, welche wir der Aufklärung verdanken. Sie selbst, Jacques Derrida haben sich noch in einem der letzten Interviews vor ihrem Tod fast vermächtnisartig zu Europa geäussert.

Sie sprechen wahrscheinlich von meinem Gesprächen mit Jean Birnbaum; ja, tatsächlich. Wenn ich heute den Gedanken der Autorenschaft auch im Sinne von Bazon Brock aufnehme, dann meine ich, dass gerade auf Basis der enormen Schuld, welche die europäische Kultur durchzieht durch Totalitarismen, Nazismus, Genozide, Shoa, Kolonisation und Dekolonialisation und so weiter, dass dieses Europa - vielleicht Kraft seines Gedächtnisses für seine Schuld, sich dem aufklärerischen Konzept der Autorenschaft gewahrer wird.

Sie meinen, dass die Europäer wacher sind für das Konzept der Autorenschaft?

Ich spreche von einem kommenden Europa, das sich noch sucht. Und in diesem Zusammenhang zögere ich nicht, “Wir Europäer” zu sagen. Die Wurzel dieses kommenden Verständnisses für Autorenschaft wird meines Erachtens schliesslich im Bewusstsein dessen gründen, was ich in unseren früheren Gesprächen die “ironische Unterströmung” nannte….

Der Raddampfer hatte inzwischen an der Pier in Zürich angelegt. Die Passagiere wurden aufgefordert das Schiff zu verlassen. Gehen Sie nur, Robert, sagte Jacques Derrida leise, gehen sie nur, ich bleibe noch hier. - So haben wir uns verabschiedet und ich ging an Land.
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Anhang: Die Quellen zu diesem fiktiven Gespräch mit Jacques Derrida waren:

- Bazon Brock (1978): Aesthetik der Vermittlung. Arbeitsbiographie eines Generalisten. Schriften 1991-1977. Köln Dumont

- Bazon Brock (1986): Aesthetik gegen erzwungene Unmittelbarkeit. Die Gottsucherbande . Schriften 1978 - 1986. Köln Dumont

- Bazon Brock (2002): Bildersturm und stramme Haltung. Ausgewählte Texte von 1968 -1996. Hamburg, Philo Verlagsgesellschaft

- Bazon Brock (2005): Der Barbar als Kulturheld - Aesthetik des Unterlassens. Kritik der Wahrheit. Wie man wird, der man nicht ist. Schriften 1991- 2002.Köln Dumont

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- Jacques Derrida (1990): Heidegger et la question. Paris, Champs / Flammarion

- Jacques Derrida (1993): La verité en peinture. Paris, Flammarion Lettres

- Jacques Derrida (1993): Falschgeld. Paderborn, Fink (Wilhelm)

- Jacques Derrida (2001): Einige Statements und Binsenwahrheiten über Neologismen, New-Ismen, Post-Ismen, Parasitismen und andere kleine Seismen. Berlin, Merve

- Jacques Derrida (2001): L’université sans condition. Paris, Galilée

- Jacques Derrida (2002): Marx & Sons. Paris, Galilée

- Jacques Derrida (2003): Eine gewisse unmögliche Möglichkeit, vom Ereignis zu sprechen. Berlin Merve

- Jacques Derrida (2003): Voyous. Paris, Galilée

- Jacques Derrida (2005): Chora. Wien, Passagen

- Jacques Derrida (im Gespräch mit Jean Birnbaum) 2005: Leben ist Überleben. Wien; Passagen Verlag.

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- Ludwig Wittgenstein (2003): Logisch-philosophische Abhandlung. Tractatus logico-philosophicus. Nachw. v. Joachim Schulte. Frankfurt, Suhrkamp

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Hinweis: Das Konzept “Ironische Unterströmung” stammt allein von Robert le Optimiste und von keinem andern der oben genannten Autoren. Wil u. Zürich, November 2006 - mailto:robert.bernhart@bluewin.ch

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